Schulter

Kalkschulter

"Bin ich etwa schon verkalkt?" - Diese oder ähnliche Fragen werden häufig von Patienten gestellt, wenn ihnen die Diagnose „Kalkschulter“ eröffnet wird. Die Kalkschulter hat jedoch mit der weitverbreiteten Erkrankung Arteriosklerose (Arterienverkalkung) nichts zu tun und stellt ein völlig eigenes Krankheitsbild dar.
MRT-Aufnahme einer Kalkschulter

Definition

Bei der Kalkschulter handelt es sich um Ablagerungen von Calcium-Kristallen in Sehnen, die am Oberarmkopf des Schultergelenkes ansetzen (Rotatorenmanschette). Die Kalkablagerungen können mehr oder minder große Depots bilden und verursachen häufig, aber nicht immer Schulterschmerzen.

Ursachen

Als Ursache für die Entstehung der Kalkschulter wird eine manchen Menschen bestehende verminderte Durchblutung bestimmter Sehnenanteile der Schulter diskutiert, in denen sich dann im Laufe der Zeit Calciumkristalle ablagern . Als andere Ursache gilt, dass im Rahmen von Alterungs- bzw. Verschleißprozessen an der Sehne (Sehnendegeneration) „fehlgeschlagene“ Heilungsversuche zu Kalkeinlagerungen führen.

Symptome

Nicht jede Kalkablagerungen am Schultergelenk verursacht Schmerzen. Hat ein Kalkdepot jedoch eine gewisse Größe führt es zu mechanischen Störungen und zu immer wiederkehrenden schmerzhaften Entzündungen.

Anfangs treten dies Schulterschmerzen ggf. nur bei bestimmten Bewegungen auf, vor allem bei einer Überkopftätigkeit und bei Drehbewegungen des Arms. Zunehmend kommen dann aber auch Ruheschmerzen dazu, die nachts besonders quälend sein können und häufig in den Oberarm ausstrahlen, analog zum Impingement-Syndrom.

Die Reizung führt entsprechend nicht selten zu einer Entzündung des Schleimbeutels im Schultergelenk. Gelegentlich kommt es auch zu ganz akuten heftigen Schmerzattacken, und zwar interessanterweise dann, wenn sich Teile des Kalkdepots spontan entleeren. Stark wechselnde Schmerzen mit akuten Verschlimmerungen sind typisch für die Kalkschulter.

​Diagnose

Am Anfang steht eine gründliche ärztliche Untersuchung. Per Ultraschalluntersuchung der Schulter lässt sich dann meist schon der Verdacht, oft auch die Diagnose stellen. Erhärtet wird diese ggf. durch das Röntgenbild, bei dem sich Verkalkungen deutlich abzeichnen. Dabei besteht keine strenge Korrelation zwischen der Größe der Kalkdepots und dem Ausmaß der Schmerzen.

Konservative Behandlung

Die Therapie sollte auf jeden Fall mit konservativen Maßnahmen beginnen. Zunächst wird versucht mit Kühlung und entzündungshemmenden Medikamenten (Salben, Tabletten oder Spritzen), die Schmerzen zu lindern. Mit Physiotherapie bzw. Krankengymnastik können begleitende Muskelverspannungen gelockert und einer Einsteifung der Schulter vorgebeugt werden.

Elektro- und Ultraschalltherapie sollen den Stoffwechsel so weit stimulieren, dass das gereizte Gewebe sich regeneriert und die Schmerzen nachlassen. Die zum Teil noch propagierte Stoßwellentherapie, bei der die Kalkschulter mit hochenergetischen Ultraschallwellen behandelt wird, zeigt laut aktuellen Studienergebnissen leider nur recht selten die gewünschten langfristigen Heilungsergebnisse nämlich die nachhaltige Auflösung der Verkalkung.

Häufig gelingt es mit einer breit gefächerten konservativen Therapie die Symptome so weit zu beherrschen, dass die Patienten zumindest zeitweise wieder schmerzfrei leben können. Bei einigen Betroffenen bilden sich die Kalkablagerungen sogar ohne Therapie von allein zurück, jedoch häufig erst nach vielen schmerzhaften Jahren.

Operative Behandlung

Patienten, denen nicht ausreichend oder dauerhaft mit einer symptomatischen Therapie geholfen werden kann, sollten ursächlich behandelt werden. Konkret heißt das, die Verkalkung zu entfernen. Heutzutage werden solche Operationen arthroskopisch durchgeführt.

Die Schulterarthroskopie ist eine minimal-invasive Operationstechnik, bei der die OP über zwei bis drei ca. 3mm kleine Zugänge mit Hilfe einer Minikamera sowie feinster OP-Instrumente durchgeführt wird.

Die Sehne wird zur Entfernung des Kalkdepots vorsichtig im Verlauf ihrer Fasern längs geschlitzt, so dass der Kalk, der meist eine Zahnpasta-artige Konsistenz hat,  ausgedrückt und abgesaugt werden kann. Die Sehne heilt danach problemlos ab.

Bei Verkalkungen, die einen eher kristallinen Charakter haben, wird das Kalkdepot “geneedelt”, das heißt mit einer feinen Nadel mehrfach angestochen. Dadurch werden Reparaturprozesse in Gang gebracht, die zum Einsprießen von Blutgefäßen führen. Im Zuge der dadurch vermehrten Durchblutung wird die Verkalkungen im Laufe der folgenden Wochen von körpereigenen Reparationsprozessen abgebaut.

Meist besteht neben der Verkalkung der Sehnen eine gewisse Enge des Raums unter dem Schulterdach, in dem die Sehen bei Bewegungen des Armes gleiten. Liegt eine solche Einengung vor (Impingemnet Syndrom), sollte der Gleitraum der Sehnen in gleicher Sitzung erweitert werden, um einem ansonsten drohenden Sehnenriss (Ruptur Rotatorenmanschette) und der erneuten Kalk-Einlagerung vorzubeugen.

Nachbehandlung der Operation einer Kalkschulter

Nach arthroskopischer Entfernung eines Kalkdepots braucht die Schulter zwar eine gewisse Schonung, sie sollte aber bereits frühzeitig sanft bewegt werden. Eine Ruhigstellung in einer Bandage ist nicht erforderlich.

Es ist sinnvoll, dass in den ersten 2 bis 3 Wochen nach dem Eingriff begleitende krankengymnastische Behandlungen erfolgen und der Patient selbständig einfache Bewegungsübungen durchführt. In der Anfangsphase sollten zusätzlich abschwellende, entzündungshemmende Medikamente (z.B. Ibuprofen 3x 600 mg pro Tag oder Diclofenac 2 x 75mg pro Tag) eingenommen werden.

Zur Schmerztherapie ist meist eine regelmäßige Kühlung der Schulter hilfreich. Eine längerfristige Einnahme von Schmerzmedikamenten ist meist nicht erforderlich. In aller Regel kann man 2-3 Tage nach dem Eingriff wieder leichte Alltagstätigkeiten erledigen und auch wieder Auto fahren.

Prognose: Operation Kalkschulter

In der Hand des erfahrenen Schulterspezialisten wird durch die arthroskopische Entfernung des Kalkdepots die Ursache der Schulterschmerzen sicher und erfolgreich behandelt.

Wissenschaftliche Studien zeigen, dass ca. 90% der Patienten mit dem Ergebnis sehr zufrieden sind und dauerhaft beschwerdefrei sind. Ein Wiederauftreten von Verkalkungen an der Schulter ist wegen der Beseitigung der Ursache nicht zu erwarten. Komplikationen bei der arthroskopischen Entfernung des Kalkdepots sind sehr selten.

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Die Ärzte der Praxis für Orthopädie und Sporttraumatologie sind hoch spezialisiert. Im Fokus stehen vor allem Erkrankungen und Verletzungen von Schulter- und Kniegelenken
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