WORÜBER "MANN" MEIST NICHT SPRICHT
Von Dagmar Haas-Pilwat, Die Welt am Sonntag, 23.03.2002
Sein Vater hat ihm immer davon abgeraten, in seine Fußstapfen zu treten. "Schon wenn das Wort Urologe fällt, läuft es den meisten doch kalt den Rücken runter. Mit uns will keiner so gern zu tun haben, fast jeder hat Angst vor uns", meint Pedram Derakhshani. Dennoch hat er alle gut gemeinten Warnungen in den Wind geschrieben und sich genauso wie sein Vater auf die Urologie spezialisiert.
Mit gerade einmal 34 gilt der in Heidelberg geborene Sohn eines Iraners und einer deutschen Mutter inzwischen vor allem als einer der führenden Ärzte in Deutschland, wenn es um die Behandlung von Prostatakrebs geht: Der Tumorerkrankung der kleinen, kastaniengroßen Drüse, die im Alter wächst und worüber "Mann" meist nicht spricht.
In dem bislang einzigen ambulanten Zentrum in Nordrhein-Westfalen - bundesweit gibt es lediglich fünf - bietet er als leitender Arzt der urologischen Abteilung der Kölner KLINIK am RING die so genannte Seed- Implantation an: Statt der bislang häufigsten Therapie, der Totaloperation, bei der neben der Prostata auch die Samenblasen sowie Teile der Samenleiter entfernt werden, verläuft der Eingriff organerhaltend. Bis zu 80 kurzstrahlende, hoch dosierte, radioaktive Mini-Implantate aus Jod, "Seeds" genannt (das englische Wort für Körnchen), werden präzise und direkt durch Hohlnadeln in der Vorsteherdrüse platziert.
Die Krebszellen werden so unmittelbar in dem erkrankten Organ zerstört, die Nebenwirkungen seien vergleichsweise gering, erklärt Pedram Derakhshani. Bei nahezu allen Patienten könne auf die Art Inkontinenz und bei den meisten auch Impotenz vermieden werden. Vor der eigentlichen Behandlung errechnet ein Strahlentherapeut die individuell zu verabreichende Strahlendosis für den Betroffenen, die vom Tumor selber sowie von Form und Größe der Drüse abhängt.
Während seiner Studienaufenthalte an der amerikanischen Yale-Universität und in Cincinnati hat der Kölner Arzt, der als kleiner Junge eine Zeit lang in Teheran gelebt hat, das kennen gelernt. Denn in den USA hat sich bereits seit Ende der 80er-Jahre die Seed-Implantation






