KNORPEL-ZÜCHTUNG AUCH SCHON IN KÖLN
Orthopäden-Tagung der "Klinik am Ring" zu Gelenkprothesen und Transplantationen bei Knieverletzungen
Auf dem Gebiet der Knorpeltransplantationen zur Behandlung von Verletzungen an Hüft-, Knie- oder Sprunggelenken tun sich nach Worten des Kölner Orthopäden Professor Heinz Gierse auch in Deutschland interessante Perspektiven auf. Mittlerweile gebe es in der Bundesrepublik etwa ein Dutzend Labors, in denen menschliche Knorpelzellen vermehrt werden, ein erstes auch in Köln, berichtet der Sportmediziner anlässlich einer von der Klinik am Ring veranstalteten Ärzte-Fortbildung am 28 August über Künstliche Gelenke und Knorpeltransplantationen.
"Mit den gezüchteten Knorpelzellen können schon heute kleinflächige Knorpelkrater am Kniegelenk gefüllt werden, die durch Stürze oder falsche Drehungen entstanden sind", so Gierse. Bislang wurden Verletzungen an der ein- bis drei Millimeter dicken Gelenk-Knorpelschicht lediglich geglättet. Für die Patienten bedeutete dies jedoch häufig einen vorzeitigen Gelenkverschleiß (Arthrose).
Der relativ hohe finanzielle und zeitliche Aufwand der Knorpelzüchtung mit anschließender Transplantation lohnt sich in erster Linie bei jungen Patienten. Ihnen wird bei einer Kniespiegelung (Arthroskopie) zunächst Knorpel entnommen, der im Labor über einen Zeitraum von bis zu vier Wochen in einer Nährlösung wächst. Bei einer zweiten Arthroskopie wird der Knorpelschaden mit der relativ flüssigen Knorpelmasse ausgefüllt und durch Knochenhaut abgedeckt, die über einen kleinen Schnitt aus dem Unterschenkel gewonnen wurde. Sechs bis sechzehn Wochen, je nach Defekt, ist das Knie nach der Operation voll belastbar. Die Kosten für die Knorpelzüchtung - etwa 4.000 Mark - muss der Patient aus eigener Tasche zahlen. Aber dafür, betont Gierse, entsteht eine stabile neue Gelenkfläche.
Operation mit kleinem Schnitt
Eine neue Entwicklung zeichnet sich nach Worten Gierses in der Knie-Endoprothetik auch dadurch ab, dass das Einsetzen von Teilprothesen (Schlitten) inzwischen mit kleinem Schnitt möglich ist. Die Operationsmethode (Repicel-Knie) wird in den Vereinigten Staaten sogar ambulant durchgeführt.
"Über einen nur fünf Zentimeter langen Schnitt ohne Ablösen der Muskeln und bei Erhaltung der Bänder kann der Teilersatz des Gelenks vorgenommen werden", erläutert Tagungsorganisator Gierse. Der Vorteil für den Patienten: Weil weniger Gewebe geschädigt wird, verläuft der Heilungsprozess schneller. Allerdings gibt es in Deutschland bislang erst 20 Orthopäden, die das Verfahren praktizieren.
Nachdem bei Hüftgelenkersatz die Keramik als Material für Kugelkopf und Hüftschale schon lange zum Einsatz kommt, spielt der abriebfeste Werkstoff in Zukunft möglicherweise auch in der Knie-Endoprothetik eine Rolle.






